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Märkisch-Oderland

Welche Tipps haben Sie, wie Familien gut durch diese unsichere Zeit kommen können?

Eine Frage – eine Antwort

Nach so vielen Wochen Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kitas fehlen die sozialen Kontakte immer mehr und der Spagat zwischen Familie und Beruf ist oft sehr groß. Vielen Familien fällt die Decke auf den Kopf.

Wir haben daher Felicitas Richter, Trainerin und Familienberaterin, gefragt:

Welche Tipps haben Sie, wie Familien gut durch diese unsichere Zeit kommen können?

 

Felicitas Richter:

„Auch wenn wir von Lockerungen sprechen – Kinder können im Moment oft nur tageweise in die Kita und Schule gehen. Das macht den Familienalltag manchmal nicht weniger kompliziert – und die Ferien stehen bevor, in denen noch unklar ist, ob der geplante Urlaub möglich ist. Kinder verunsichert all das, denn sie brauchen Verlässlichkeit.

Das A und O in diesen Wochen ist, dem Tag und der Woche eine Struktur zu geben. Diese muss immer wieder neu „erfunden“ und angepasst werden: Wann stehen wir auf, wann gibt es das gemeinsame Essen, wann und wie lange machen die großen Geschwister Schularbeiten und wann arbeiten Mama und Papa und wer ist wann Ansprechpartner für die Kinder. Dafür bietet sich eine wöchentliche Paar-/Familienbesprechung an.

Dort sollte auch thematisiert werden, wann jeder Zeit für sich selbst hat. Mama möchte vielleicht Sport machen oder in Ruhe mit der Freundin telefonieren. Papa wünscht sich Zeit, um den Keller aufzuräumen. Und der große Sohn möchte endlich mit dem 2000er Puzzle anfangen. Dies ist genauso verbindlich einzuplanen wie Termine.

Denn nur, wenn jeder Zeit hat, den eigenen Wünschen und Bedürfnissen nachzugehen, bleibt er / sie auch zufrieden und gesund.  Das gilt auch für die gemeinsame Zeit als Paar: der kurze Spaziergang jeden Abend, die Tasse Kaffee am Morgen, Einander-in- den Arm-Nehmen. Es können kurze Momente sein, die aber ganz bewusst. Denn es braucht Nähe, um sich als Paar unterstützen zu können.

Wichtig sind außerdem gemeinsame Familien-Projekte. Das Buch, das über viele Abende vorgelesen wird, das Kinderzimmer, das schon lange einen neuen Anstrich braucht, aber auch das Picknick, das jetzt wieder möglich ist.

Wichtig ist, darüber zu reden, was sich jeder wünscht.

Und wenn doch einmal dicke Luft ist, weil die Decke auf den Kopf fällt? Eine Runde um den Block gehen und tief durchatmen, kann Wunder wirken. Und sich bewusst machen: Die momentane Situation ist eine enorme Herausforderung – für alle.

Ich erinnere mich in solchen Situationen: Mein Alltag ist die Kindheit und Jugend meiner Kinder. Was kann ich heute tun, damit es ein guter Tag wird – für uns alle.“